Moto Guzzi 1400 Audace Nicht für eine Handvoll Dollar

Sergio Leones Gewaltorgie «Für eine Handvoll Dollar» mit Clint Eastwood in der Hauptrolle stand vor 51 Jahren für ein neues Filmgenre – den Italo-Western. Nun bricht Moto Guzzi mit der mächtigen 1400er Audace in eine weitere US-Domäne ein und räubert frech im Harley-Revier.

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Motorrad

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Der erste Spaghetti-Western 1964 hatte nichts mit dem damaligen Viehherden-Pathos der moralistischen Hollywood-Cowboys am Hut. Etwas, das sich auch aufs Erscheinen der neuen Moto Guzzi Audace in einem von Harley Davidson dominierten Töffsegment übertragen lässt. Denn das neue, mächtige Italobike will nichts mit den Eisen aus Milwaukee zu tun haben. Im Gegenteil: Mit seiner riesigen 1400er-90-Grad-V2-Wumme und gewaltigen 120 Nm Drehmoment geht die Audace ohne nette Chromschnörkel im Harley-Revier auf Jagd. Fette mattschwarze Krümmer, ein puristisch gestylter Sattel, Fussrasten statt Trittbretter, formschöne Gussräder und ein gerader Dragbar-Lenker – das ist in Kürze die neue Guzzi. Technisch entspricht sie weitgehend dem klassisch angehauchten Retro-Cruiser Eldorado. Mit dem Unterschied, dass die Audace die erste Guzzi ist, welche die neue Euro4-Abgasnorm erfüllt und trotz der Eldorado-Verwandtschaft ein völlig anderes Fahrerlebnis bietet.

Das Audace-Erlebnis beginnt bereits beim Aufsitzen: Keine Kabelstränge, kein Schlauchgewirr und keine billigen Anbauteile (bis auf die Kunststoff-Kotflügel) stören das optische Bild. Frei schweift der Blick über das grosse Rundinstrument nach vorne. Man sitzt als Fahrer leicht nach vorne gebeugt in einer angriffigen, aber dennoch entspannt-komfortablen Haltung. Der Hammer dann beim Starten: das Motorrad erbebt – und die Erde auch. Die fahrfertig 318 Kilo schwere Audace klingt kerniger, bassiger als ihre 1400er-Tourer- und Cruiser-Verwandtschaft. Wir starten – die Gänge rasten exakt, das Ansprechverhalten des 96 PS starken Motors ist ein Gedicht. Die Vibrationen in den Fussrasten und Lenkerenden halten sich in Grenzen, während der V2 besonders im unteren Tourenbereich ausgelassen poltert. Auf kurvenreicher Strasse überrascht die Guzzi mit für diese Gewichtsklasse hervorragender Agilität. Wer den Gleiter-Fahrstil pflegt, wird sich an der einfühlsamen Leistungsentfaltung erfreuen. Doch keine Angst: Der V2 drückt aus dem Standgas ebenso erbarmungslos ab wie Raubein Clint Eastwood bei seinen Duellen. Drei Motormappings und die abschaltbare Traktionskontrolle halten dabei den Drehmomentbrutalo stets in Schach.

Gar keine Kritik? Doch! Das einmal vorgewählte Tempo lässt sich nicht mehr am Tempomaten variieren und das hintere Plastikschutzblech ist zu schlabberig. Und: Leider ist die Audace auch nicht für eine Handvoll Dollar zu haben. Das sind aber die etablierten Cowboys aus Milwaukee auch nicht.

Publiziert am 24.07.2015 | Aktualisiert am 23.07.2015

«Wir sind mit Leidenschaft Guzzisti»

Miguel Galluzzi ist einer der renommiertesten Töff-Designer der Gegenwart und verantwortlich für die Moto Guzzi Audace und Eldorado.

Die Traditionsmarke Moto Guzzi könnte heute ähnlich marktbeherrschend wie Harley Davidson sein. Warum nicht?
Miguel Galluzzi: Verantwortlich ist ein jahrzehntelanges Missmanagement und – ja, es ist hart, aber man muss es so sagen – Inkompetenz. Es wurde nicht im Ansatz verstanden, welches Bijou man mit diesem traditionsreichen Markennamen in den Händen hielt.

Das ist heute anders?
Definitiv! 2008 war der Moment, als sich alles zu ändern begann. Die Produktentwicklung wurde an einem Ort zusammengefasst. Und quer durch die Hierarchien sind jetzt Leute am Werk, die passionierte Töfffans und mit Leidenschaft Guzzisti sind.

Täuschen wir uns, wenn wir behaupten, dass Sie mit der Audace die Harley Fat Boy Special und mit der Eldorado die Softail Deluxe im Visier hatten?
Wir haben uns nicht an irgendeiner Harley orientiert. Die Genetik und Geschichte einer Guzzi sind eigenständig und unterscheiden sich völlig. Wir haben das Erbe der Traditionsmarke in die Zukunft transferiert.

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6 Kommentare
  • Markus  Thomas aus Wittenbach
    24.07.2015
    Sind mir ein paar Bilder zu wenig, ich kann mir kein Urteil machen. Aber eines ist sicher, näher Kennen lernen reizt mich jetzt nicht.
  • Domenig  Wilhelm 24.07.2015
    Klobig und in der Optik hässlich zum ansehen da würde ich nicht mal mein Moped Honda 500 CBF dagegen tauschen
  • Silvio  Hertli , via Facebook 24.07.2015
    Auf mich wirkt das Bike klobig.
    Der Bereich zwischen den Zylindern und dem hinteren Federbein ist viel zu dicht vollgepackt.
    Klar, es ist eine 1400er, aber auch die könnte man filigraner gestalten. Gerade von den Italienern würde ich das erwarten!

    Muss ja nicht so mager und drahtig daher kommen wie die 1198 Panigale,
    aber wer will schon auf der 320kg Nonna reiten...?

    Ich habe schon einige tolle Guzzi Café-Racer Umbauten gesehen, der wuchtige 1400 Motor wäre ein schöner Blickfang dafür.
    • Christian  Beutler , via Facebook 24.07.2015
      Nur das die wirklich schönen cafes der letzten Jahre auf Basis der Griso und früher auf der LeMans aufgebaut wurden.
  • carlos  zapato aus St. Gallen
    24.07.2015
    Ich hätte auch noch eine Kritik: Das passt optisch nichts zusammen, nichts ist besonmders schön. Alles irgendwie aus dem Baukasten. Sie ist schlicht hässlich.
    • Christian  Beutler , via Facebook 24.07.2015
      Dann bin ich mal auf Ihre Meinung zu meinen Bikes gespannt. Bin nur 10 Minuten weg von Ihnen in der Speicherschwendi.