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Damals war die Formel ihrer Zeit um Meilen voraus, und heute ist sie so populär wie nie zuvor: ein leichtes Naked-Bike mit einem kräftigen, aber kultivierten Reihenvierer, einer stressfreien Sitzposition, leichtem Handling, verschärfter Optik und einem bezahlbaren Preis.
Keine Frage: Mit der Z 750 traf Kawasaki seinerzeit, bei deren Lancierung im Jahr 2004, den Nerv der Zeit. Die emsige Japanerin hat in Europa seither 125000 Töfffahrer glücklich gemacht. 2500 von ihnen leben in der Schweiz. Allerdings ist die seit der grossen Modellüberarbeitung von 2007 unverändert gebaute Alleskönnerin arg in die Jahre gekommen – ist im immer härter umkämpften Segment der nackten Mittelklasse technisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit.
Der ungebremste Erfolg der betagten Z beruht noch heute auf der eingangs beschriebenen Zauberformel, wobei der Preis der nach wie vor verfügbaren Z 750 mit gerade mal 11990 Franken zu Buche schlägt. Der umgängliche Reihenvierzylinder leistet satte 106 PS, und das zeitlose Design hat die Jahre überdauert, ohne an Brisanz zu verlieren. Kein Wunder also, dass Letzteres beim soeben in Südspanien lancierten und ab sofort für 13990 Franken in Schwarz und Schwarz-Grün erhältlichen R-Modell der Z 750 nahezu unverändert übernommen wurde.
Bei den Schwächen angesetzt
Zu den zentralen Updates zählen die neue, der Z 1000 von 2009 entliehene USD-Gabel, bei der neben der Vorspannung nun auch die Zugstufe beidseitig einstellbar ist, sowie die radial verschraubten Vierkolben-Bremszangen. ABS ist in der Schweiz serienmässig. Die Kastenschwinge wich dem leichteren Pendant aus Aluminium der Z 1000. Entsprechend musste die Geometrie am Umlenksystem des Federbeins, das sich zwecks besserer Kühlung neu über einen Ausgleichsbehälter freuen darf, angepasst werden.
Gabel und Federbein sollen deutlich feiner ansprechen und sind minutiös aufeinander abgestimmt worden, was einer verschärften Gangart entgegenkommt. Dasselbe gilt für die bei der R um 10 mm gesteigerte Bodenfreiheit und das um 20 mm nach oben gewanderte Sitzpolster. Dass die R- gegenüber der Basisversion drei Kilo weniger wiegt, ist ein willkommener Sachverhalt – dennoch bleibt die Z 750 R die schwerste Bewerberin im Segment.
Dass Kawasaki Schweiz das fade Serienteil durch einen homologierten Rennauspuffdämpfer von Akrapovic ersetzt hat, ist grosses Kino und verdient Beifall. Neben der durch und durch gelungenen Zweifarbenlackierung sind optisch nur geringfügige Updates wie die schnittigeren Blinker, der dreiteilige Kotflügel und die aggressiver anmutende Frontpartie auszumachen.
Fit für den Fight mit dem Asphalt
Dass die R deutlich handlicher ist, wird schon auf den ersten Metern klar. Ein Sachverhalt, der auch vom leicht verbreiterten Lenker herrührt. So ist diese Z eher auf der handlichen als auf der stabilen Seite der Skala einzuordnen, was sich speziell am Kurvenausgang bemerkbar macht, wenn der Reihenvierer bei hohen Drehzahlen relativ hart ans Gas geht und sich in der Folge leichte Unruhe bemerkbar macht.
Alles in allem reichen sich Handling und Stabilität aber die Hände. Das Feedback der spürbar straffer abgestimmten R ist hervorragend, und so gelang es dem Schreibenden auf der Testfahrt bei Alicante an einer tückischen Stelle einen üblen Vorderradrutscher abzufangen. Gut möglich, dass die Geschichte auf der bezüglich Feedback weniger mitteilsamen Basis-Z anders ausgegangen wäre! Für die wirklich sportliche Kurvenhatz würde man sich eine leicht frontlastigere Auslegung wünschen, doch das ist Jammern auf hohem Niveau.
Fazit: Wieso das Rad neu erfinden? Mit punktuellen Eingriffen ist es den Grünen gelungen, der Z 750 die Krallen zu schärfen. Die etwas schwer geratene «R» liegt schön zwischen der Z 750 und der Z 1000 und hat einen fairen Preis.