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In den Bergen liegt derzeit massig Schnee. Das schreckt Töfffanatiker aber kein bisschen: Auch ich will eine Fahrt ins Weiss wagen und den ersten Hauch von Frühling erleben – also ab ins österreichische Zillertal. Dank dem dortigen Klima sind die Strassen in der Regel ab Mitte Februar trocken, mitten in einer zauberhaften Naturkulisse.
Vor dem Vergnügen wartet die Anfahrt: Arlbergtunnel, Schnellstrasse durchs Inntal und damit Staus. Letztere sind mir egal, denn bei jedem Stopp lassen sich die klammen Finger im Strom der aufsteigenden Motorwärme auftauen. Denn: Die beheizten Lenkergriffe grillen zwar die Handflächen, die Knöchel frieren im eisigen Fahrtwind trotzdem. Wie anderes übrigens auch: Unter der Jacke bibbert die Hühnerhaut.
In den Tälern hinter Wörgl ist es noch kälter. Erst der 1273-Meter-Pass Thurn führt mich ein paar Minuten an die Sonne. Schwungvoll rolle ich hinunter ins Salzachtal und achte in schattigen Kurven auf Eisflächen. Am Abend komme ich in Mittersill an. Zeit zum Schlafen – das Bike muss draussen bleiben.
Als möchte sich der Untersatz dafür rächen, hat er über Nacht eine dicke Raureifschicht angesetzt. Das Sitzpolster ist eiskalt, das tiefgefrorene Schaltgestänge benötigt kräftige Fussarbeit. Wenigstens kann ich erst entlang der sonnigen Südhänge rollen. Die Skitouristen beobachten mich wie einen Marsmenschen. Was mir schnurz ist: Dafür gehört mir das Kurvengewirr fast allein. Etwas, was man sich im Sommer vergebens herbeisehnt.
Das Töff-Tourengebiet ums Zillertal liegt zwischen Tegernsee, Innsbruck, Zell am See und Kufstein. Die Passhöhen (bis 2000 Meter) sind von Dezember bis April schneeumrandet, Wintersperren gibts aber selbst auf der Zillertaler Höhenstrasse keine. Ein Highlight! Wer die Rundfahrt verlängern will: Abstecher auf das Steinberger Plateau, zum Sylvenstein-Speicher und zur alten und neuen Gerlosstrasse sind sehr empfehlenswert.
Auf der alten Strasse zum Gerlospass gehts über Schlaglöcher durch den Tannenwald. Die üble Piste verlangt volle Konzentration. Nur wenige Waldlücken gestatten Ausblicke auf die Hohen Tauern mit dem berühmten Grossvenediger. In Hainzenberg im Zillertal befindet sich der Winter jeweils besonders früh auf dem Rückzug.
Die Rampe zur Zillertaler Höhenstrasse hinauf ist tatsächlich trocken, hat sogar richtig Grip und bietet entsprechend Fahrspass. Aber oben am Melchboden ist urplötzlich Schluss. Knöcheltiefe Schneedecke, Strohballen als Bremshilfe für Schlittler und eine abgeschlossene Schranke bedeuten Endstation. Selbst Enduro-Fahrer kommen hier nicht weiter.
Abseits der Bundesstrasse suche ich mir einen Weg über Erlach und Aschau nach Norden. Eine Sitzbank an der Sonne lädt zur Aufwärmpause ein, mit Blick auf den malerischen Achensee. Hier, fernab des Trubels, ist Biken im Vorfrühling purer Genuss, ein probates Mittel gegen Winterfrust. Über den landschaftlich reizvollen Scharnitzpass fahre ich zwei Tage nach dem Start über Innsbruck zurück in die Schweiz – Richtung wohlig warmes Wohnzimmer.
Mehr Töff gibt es an der Swiss-Moto vom 19. bis 22. Februar 2009 im Messezentrum Zürich. Infos unter www.swiss-moto.ch.