Mit ihrem VR6-Motor wagt die in den 1950er-Jahren erfolgreiche deutsche Marke Horex ein Aufsehen erregendes Comeback. Der grosse Doppel-Dreier bringt frische Musik ins Töff-Ensemble.
Da steht es also, das erste Vorserien-Exemplar des Sechszylinders, mit dem die einst erfolgreiche deutsche Marke Horex ihre Auferstehung feiert. Bereits seit einiger Zeit mit Pauken und Trompeten angekündigt, musste zwar der für Frühling 2012 geplante Verkaufsstart verschoben werden. Aber nun ist die 1200er-Maschine da – und es ist ein stattliches Motorrad. Konservativ und klassisch, wie es sich für eine Marke gehört, die sich auf die Erfolge ihrer Vorfahren beruft. Denn Horex steht für deutschen Motorradadel der Nachkriegszeit, für deutsche Wertarbeit aus der Zeit des grossen Aufschwungs. Und wie zu diesen Zeiten glänzt auch das neue Modell neben gediegener Verarbeitung mit innovativer Technik. Unter dem konservativen Kleid werkelt ein Motor, wie er zuvor noch in keinem Töff zu sehen war. Ein V6 mit 161 PS bei 8800/min und einem so engen Zylinderwinkel (15 Grad), dass er optisch wie ein Reihenmotor wirkt. Die zwei mal drei Krümmerrohre, die hinter zwei Katalysatorpatronen in zwei übereinanderliegende Schalldämpfer übergehen, versprechen viel Exotik. Und einen unglaublichen Klang! Man kann sich gar nicht satt hören. Schon das Röhren eines Triumph-Dreizylinders kann süchtig machen – aber der Horex-Sound, mit einem asymmetrischen Zündversatz gedoppelt, erzeugt eine beeindruckende Klangorgie.
Bevor wir starten, dürfen wir beim Vorserien-Prototypen noch die Sitzposition anpassen. «Sie lässt sich durch einfache Scheiben am WP-Federbein einstellen», erklärt Horex-Technikchef Robert Rieder. «Wir haben es für ‚Heizer’ auf die höchste Stufe eingestellt, damit die maximale Schräglagenfreiheit zur Verfügung steht.» Na, dann mal los! Wenn uns der VR6 mit seinem Klang bereits im Stand betört hat, tut er dies beim Fahren noch viel mehr. Der Motor schiebt ab unterster Drehzahl ordentlich an. Kupplung und Getriebe arbeiten sehr fein, und wenn die 1200er oben herum richtig die Muskeln spannt, geht es sehr zügig voran. Dabei überträgt der Motor so gut wie keine Vibrationen auf Lenker, Fussrasten und Tank.
Aber ans Fahrwerk muss man sich erst etwas gewöhnen. Nicht nur die Sitzposition ist in der obersten Einstellung für einen Menschen von mittlerer Statur recht hoch, sondern auch der Schwerpunkt des Bikes. Damit man gleich Vertrauen zum grossen Töff findet, müsste der Lenker wohl etwas breiter sein. Die Horex folgt den vorgegebenen Linien jedoch sehr präzise und die fein ansprechenden WP-Federelemente geben sehr gutes Feedback. Nur beim Hineinbremsen in Kurven hat die trocken 249 Kilo schwere Horex eine recht starke Aufstellneigung. Auch wenn der Motor ab 6500/min ein richtiges Feuerwerk abfackelt, macht es mit der Zeit dennoch am meisten Freude, ihn in mittleren Drehzahlen vor sich hinschnurren zu lassen und die Drehmomentwogen zu geniessen. Dann überträgt sich die Souveränität des ab 25 110 Franken kostenden Roadsters auch auf das Gemüt des Fahrers.
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