Ducati Diavel Dieser Mix ist teuflisch

  • Publiziert: 08.04.2011, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Daniele Carrozza

Ein bisschen Custom, ein bisschen Naked-Bike und sogar ein bisschen Superbike – das ist die brandneue Ducati Diavel Carbon.

Es ist so gut wie unmöglich, die Diavel zu kategorisieren. Ein klassisches Naked-Bike ist sie bestimmt nicht, denn hierfür ist der Radstand mit 1590 mm zu lang, die Sitzhöhe mit 770 mm zu niedrig und die von Pirelli eigens für die Diavel in der Rezeptur Diablo Rosso II kreierte 240er-Walze zu breit. Da liegt der Vergleich mit einem Power-Cruiser schon viel näher. Doch auch hier divergieren grundlegende technische Daten: Mit ihren 210 kg ist die Diavel deutlich leichter.

Auch preislich spielt die Diavel in einer tieferen Liga: Man stellt sich die Diavel mitsamt 1198-ccm-Desmo-Vierventiler für vergleichsweise milde 22990 Franken in die Garage. Die Diavel, mit der Ducati zweifelsohne zu neuen Ufern aufbrechen will, scheint also tatsächlich etwas komplett Neues zu sein. So unterstreicht Marketing-Manager Mario Alvisi denn auch, die neuste Schöpfung aus Borgo Panigale sei optisch wie technisch eine Mixtur aus einem Custom-, einem Naked- und einem Superbike.

Ein grosses Kompliment an die Ingenieure: Sie haben es fertiggebracht, dem ursprünglich für den gnadenlos leitungsorientierten Einsatz in der Superbike-WM gebauten 1200er-Testastretta echte Gentleman-Manieren beizubringen. Und dies, ohne den athletischen Charakter dieses Antriebs zu verwässern. So soll die Diavel den Spurt von 0 auf 100 km/h in gerade mal 2,6 Sekunden meistern.

Zündschlüssel braucht man keinen zu drehen. Der steckt in Form eines Transponders, der das Bike ab einer Distanz von zwei Metern aktiviert, in der Jacke des Fahrers. Starterknopf drücken – schon poltert die Diavel mit dumpfen Schlägen vor sich hin. Die erste Etappe führt durch das eine oder andere Dorf Richtung Hinterland. Entsprechend wählt man zunächst den Urban-Modus, bei dem die Power auf 100 PS und bzw. 117 Nm reduziert und Stufe 5 der Traktionskontrolle aktiviert wird. Die Leistungsentfaltung ist druckvoll, aber stets gut zu kontrollieren.

Die Dörfer liegen hinter, die Autobahnetappe vor uns. Zeit, den Touring-Modus vorzuwählen. Dieser bietet die vollen 162 PS bei zivilisiertem Drehmomentverlauf und sanfterer Ansprache. Die Traktionskontrolle springt jetzt auf Level 3. Gegenüber dem Urban-Modus drückt die Diavel jetzt richtig katapultartig, aber nach wie vor berechenbar ab. Hühnerhaut pur!

Der Wechsel vom Touring- in den Sport-Modus (DTC-Level 1) bleibt nahezu unbemerkt. Einzig die Gasannahme fällt jetzt etwas spritziger aus, und innerorts wirds unterhalb von 2500/min eher ungemütlich. Und was macht die Traktionskontrolle? Beim harten Beschleunigen auf den teils spiegelglatten Kreiselausfahrten spürt man lediglich einen leichten Versetzer der Hinterhand. Alles in allem sind die einzelnen Modi, bei denen die Empfindlichkeit der Traktionskontrolle auch jeweils manuell angepasst werden kann, für die definierten Einsatzzwecke sehr gut getroffen.

Artikel aus dem Magazin «Töff»: www.toeff-magazin.ch

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