
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Gasbefehle werden bei der Tuono elektronisch, statt mechanisch weitergegeben.
In der neuen Tuono werkelt endlich das V4-Triebwerk aus der supersportlichen Aprilia RSV4. Aus welchem Schrot und Korn die Tuono-Version dieses Sieger-Motorrades ist, zeigt sie unmittelbar nach dem Starten: Wenn der V4 losballert, scheint der Putz von den Wänden wegzuplatzen.
Schon im Standgas gibt es Klanggewalt in Reinkultur. Und wie sie tönt, fährt sie auch: brachial! Auf den Dreh am Gasgriff folgt die pure Gewaltorgie – katapultartige Beschleunigung, mit ungestümem Drang des Vorderrads gen Himmel. Dabei überzeugt das Biest auf den engen Bergstrassen im Hinterland vom spanischen Valencia aber mit fein dosierbarer Gasannahme.
Gasbefehle werden bei der Tuono elektronisch, statt mechanisch weitergegeben (Drive-By-Wire). Dazu offeriert sie drei wählbare Einstellungen: Sport (S), Track (T) oder Rain (R), ebenso Traktionskontrolle. Dennoch ist sie Anfängern oder Unerfahrenen nicht zu empfehlen. Denn Aprilia reduziert im Rain-Modus nicht etwa das Drehmoment (das soll Piloten jederzeit voll zur Verfügung stehen) sondern stattdessen greift die Traktionskontrolle rabiater ein. Und ein ABS ist auch noch nicht lieferbar.
Kundige Töffler kommen mit der neuen Tuono aber voll auf ihre Kosten, selbst in engen Serpentinen. Im Gegensatz zur supersportlichen Schwester RSV4 R ist der Radstand etwas länger. Auch die Ergonomie, Motorcharakteristik sowie Schalldämpfer zeigen markante Unterschiede zur Rennmaschine. Leichte Felgen verbessern die Agilität gegenüber der alten Tuono beim Umlenken in schnellen S-Bögen spürbar.
Die Kombination aus Alu-Brückenrahmen und Upside-down-Gabel samt Alu-Zweiarmschwinge kann sich sehen lassen. Die nackte Aprilia meistert so den Spagat zwischen Handlichkeit und Stabilität tadellos.
Deswegen muss sie auch Rennstrecken nicht scheuen. Im Expresstempo geht es nach der 150-km-Bergrunde auf den Circuit Valencia Ricardo. Am Ende der Zielgerade zeigt der Tacho mehr als 250 km/h. Hart anbremsen, abwinkeln, rum ums Eck – in Verlegenheit ist die Tuono nicht zu bringen.
Stoisch folgt sie jeder anvisierten Linie und nervt weder mit Hochgeschwindigkeitspendeln oder anderen Fahrwerkschwächen. Satte 270 km/h Topspeed und 167 PS sind Hausnummern für ein Naked-Bike. Doch der wahre Quantensprung der neuen Tuono-Generation zeigt sich in der Kleinarbeit der Soft- und Hardware-Entwickler.
Elektronische Fahrassistenzsysteme für Motorräder steigern neben der Sicherheit mittlerweile auch aktiv den Töff-Spass. Das elektronische Komplettpaket der neuesten Generation von Aprilia heisst «Performance Ride Control», kurz APRC. Vier ausgeklügelte, elektronische Regelungssysteme helfen bei der Jagd nach Spass: Wheele-Steuerung (AWC) und Traktionskontrolle (ATC), eine Launch Control (ALC) für optimales Beschleunigen beim Ampel-Duell und ein Schaltautomat (AQC), der es erlaubt, bei aufgezogenem Gas ohne kuppeln hochzuschalten. Und nicht zu vergessen, die drei bereits erwähnten Leistungsmodi.
Artikel aus dem Magazin «Töff»: www.toeff-magazin.ch