MV Agusta F4 und Brutale sind seine Kreationen und die neue Brutale 675 das letzte Werk des verstorbenen Zweirad-Visionärs Claudio Castiglioni.
Der Italiener Claudio Castiglioni prägte bis zu seinem Krebstod 2011 die Motorradwelt der letzten Dekaden. Der Visionär gründete gemeinsam mit seinem Bruder 1978 die Motorradfirma Cagiva. In den Achtzigern rettete er Ducati und erschuf gemeinsam mit dem Designer Massimo Tamburini die Ikone Ducati 916. Nach dem Verkauf von Ducati sicherte er sich die Rechte an Meccanica Verghera (MV) Agusta. Da er seine Motivation aus der Liebe zu seinen Schöpfungen und weniger aus dem zu erwartenden Profit bezog, erstaunt es nicht, dass finanzielle Probleme bis zuletzt sein Wirken begleiteten.
Die Brutale 675 soll als preiswertes Einsteigermodell (ab 11 170 Franken) für MV erstmals das Tor zu einer breiten Käuferschaft aufstossen. Denn nur durch eine massive Steigerung der Verkaufszahlen hat MV Agusta eine Zukunft. Der neue Dreizylindermotor der Brutale feierte sein Debüt schon im Frühling im Supersportler F3. Der ultrakompakte Reihendreier (108 PS) demonstriert das derzeit Machbare im Motorenbau. Er wiegt nur 52 Kilo und baut ganze 80 mm schmaler als der kompakte Triumph-675er. Er verzichtet auf die radial stehenden Ventile und ist mit Bohrungen von 79 mm (Hub: 45,9 mm) extrem kurzhubig konzipiert. Kinderkrankheiten wie die ruppige Gasannahme und das Antriebsspiel sind mittlerweile dank neuer Software und Ruckdämpfergummis verschwunden.
Fazit: Beim Fahren ist die «Brutalina» ein ausgesprochen fähiges, aber dennoch beherrschbares Bike. Man sitzt sportlich zum Vorderrad hin orientiert. Toll, dass trotz moderatem Kniewinkel die Rasten auch bei zackiger Gangart kaum je aufsetzen.
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