Yamaha FJR 1300 AS Ausgekuppelt, fertig, los!

  • Publiziert: 24.05.2006, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Jörg Wissmann

Was es bisher nur im Auto gab, führt Yamaha nun auch bei Motorrädern ein: Die FJR 1300 AS schaltet ohne Kuppeln – einfach per Knopfdruck.

Schalten per Lenkradknopf: Michael Schumacher und seine Kollegen in der Formel eins hatten es vorgemacht. Später durften die Besitzer erlesener Sportwagen ihrem Beispiel folgen. Und inzwischen gelten sequenzielle Schaltgetriebe, bei denen die Kupplungsarbeit von hydraulischen oder elektrischen Systemen übernommen wird, nicht einmal mehr in Kleinwagen als Luxus. Anders sieht es bei Motorrädern aus. Wohin das Auge blickt: nichts als die gute alte Fussschaltung.

Im Juli wird sich das ändern – wenn die Yamaha FJR 1300 AS zu den Händlern rollt. Sie ist der erste Serientöff, bei dem eine Schaltwippe den Kupplungshebel ersetzt. Das AS in ihrem Namen steht für Automatic Shifting, doch der Begriff «Automatik» verspricht eigentlich zu viel. Jeder Gangwechsel muss manuell eingeleitet werden: per Fussdruck auf den Schalthebel links am Motor oder mit einem Fingerschnippen an der Lenker-Schaltwippe. Lediglich das Ziehen am Kupplungshebel entfällt. Das bringt mehr Komfort auf langen Etappen und im Stadtverkehr, aber auch im Kurvenparadies der Schweizer Alpenpässe. Allerdings verlangt das System einige Gewöhnung. Und mit 3200 Franken Aufpreis (inklusive Griffheizung) ist es nicht ganz billig.

Wohl deshalb hält sich die Konkurrenz in Sachen Automatik-Töff auffallend zurück. Kawasaki und Suzuki wollen auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren, ob sie an automatisierten Schaltungen arbeiten. Peter Müller, Entwicklungsleiter von BMW Motorrad, erklärt zwar, dass BMW sich «sequenzielle Getriebe ähnlich jenen, wie sie in den M-Fahrzeugen eingesetzt werden, auch im Töff vorstellen kann». Detaillierter möchte er sich aber nicht äussern. Einzig Honda bekennt sich offen zur Automatik. Schon im Oktober 2005 präsentierte der grösste aller Töffhersteller an der Motorshow in Tokio die Studie DN-01, eine Mischung aus Cruiser und Roller. Angetrieben wird sie vom 680-ccm-V2 der Honda Deauville, der mit einer neuen, stufenlosen HFT-Automatik (Human Fitting Transmission) gekoppelt ist. Die produktionsreife Studie soll, wie ein Honda-Sprecher in Tokio versicherte, bald in Serie gehen.

Die Yamaha-Automatik

Beim «Yamaha Chip Controlled Shifting»-System (YCC-S) muss der Fahrer den Wippschalter am Lenker oder den Fusswählhebel antippen – schon kuppelt das System aus, legt den gewählten Gang ein und kuppelt wieder ein. Und zwar so schnell und sanft, dass der Sozius die Schaltvorgänge nicht einmal spürt. Vorausgesetzt allerdings, der Fahrer schliesst das Gas beim Gangwechsel kurz – wie bei der herkömmlichen Schaltung – und öffnet es weich wieder. Legt er aber einfach bei Vollgas den nächsten Gang ein, ruckelt die Fuhre, die Kupplung rutscht durch. Was Könnern auf Anhieb gelingt, braucht bei Anfängern ein wenig Übung.
play Die Honda-Studie DN-01 hat eine stufenlose HFT-Automatik.

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