5. Internationales Oldie-Traktorentreffen: Könige der Äcker
Als die Street Parade durch Zürich tanzte, rollte in Guntmadingen SH das Kontrastprogramm: 750 historische Traktoren rumpelten um die Wette.
Von Timothy Pfannkuchen | Aktualisiert um 23:59 | 16.08.2008
Vergessen Sie die 24 Stunden von Le Mans! Der Auftakt zum härtesten Autorennen der Welt – wo die Fahrer einst zu den Rennwagen sprinteten – ist ein Kindergeburtstag, verglichen mit dem Vorwärmen von zwei Dutzend alten Lanz Bulldogs.
Heizlampe unter den liegenden Zylinder stellen, Flamme justieren, 10,5 Liter Hubraum erwärmen, Lenkrad abziehen, seitlich ins Schwungrad stecken und drehen. Pause. Drehen. Pause. Schweiss von der Stirn wischen. Drehen.
Und da: «fump». Dem Auspuff entspringt ein Russwölkchen. Endlich: «fump, fump, fump». Der gemächliche Herzschlag des Einzylinderriesen ist so erschütternd, dass sich die Pneus in den Acker graben. Nun muss es fix gehen, rundum tönt es ebenfalls schon «fump, fump, fump». Lenkrad abziehen, oben wieder einstecken, aufsitzen, Gang rein, los!
Nach nur neun Minuten hat der erste Mensch über seine Maschine gesiegt: Sepp Knüsel aus Küssnacht am Rigi SZ auf Lanz Bulldog HL 12 von 1922. Szenenapplaus zum infernalischen Geknatter vieler, vieler Bulldogs. Gegen den rhythmischen Beat aus zwei Dutzend Monsterzylindern tönt die Zürcher Street Parade wie ein Kaffeekränzchen. Willkommen beim Oldie-Traktorentreffen in Guntmadingen!
Sonst ein verschlafenes 230-Seelen-Dorf bei Schaffhausen, ist es heute Epizentrum historischer Landmaschinen. Überall alte Traktoren, Walzen, Raupen und Maschinen, 750 an der Zahl und sogar aus Sachsen (Deutschland) angereist. Jeder Hof eine Werkstatt, jede Scheune ein Wurststand, rundum Tuckern und Dieselqualm.
Nur ein Randgruppenvergnügen? Von wegen. Die Organisatoren um Jörg Schwaninger haben an drei Tagen etwa 10000 Fans angelockt. «Wir pflegen hier technisches Kulturgut», sagt der 56-Jährige vergnügt. Als Vorsitzender der «Freunde alter Landmaschinen Schweiz» (www.fettpress.ch) weiss Schwaninger 4000 Seelenverwandte hinter sich.
Der Chefexperte im Strassenverkehrsamt Schaffhausen: «Die meisten haben einen Bezug zu Technik oder Landwirtschaft, mal beruflich, mal privat. Früher gab es in der Schweiz über hundert Traktorhersteller!
Zudem ist die Technik simpler und günstiger als bei ‹normalen› Oldtimern.» Zum Staunen: Bauern und Akademiker, Jung und Alt – den Festumzügen mit Trachten, Trompeten und Traktoren zum Trotz hat das Treffen nichts mit einem motorisierten «Musikantenstadl» zu tun. Nicht mal das Vorurteil «Männerhobby» zieht, wenn Anita Schaufelberger (40) herantuckert.
«Andere Leute sammeln Briefmarken», sagt sie schmunzelnd. «Frau und Traktor? Viele wundern sich, manche bewundern mich.» Und tuckert mit 33 PS auf ihrem eigenhändig renovierten 1957er-Ferguson los.
Restaurieren? Toni Gerber (50) aus Grüningen ZH steht an seinem Bührer-Lohn von 1941 und schüttelt nur den Kopf. «Ohne Patina kein Charakter. Ein Traktor muss fahren, aber nicht ins Museum.»
Dann sagt er noch, warum das so wichtig sei: «Gestern kamen zufällig die Tochter und später der Sohn von Willi Bührer – meiner ist einer von nur noch vier bekannten Exemplaren seiner Traktoren. Die Kinder konnten quasi die originale Handschrift des Vaters sehen. Das ist unersetzlich.» Sprichts und heizt der Holzvergaseranlage ein.
Überrestauriert, originalgetreu, patiniert: Anders als in der restlichen Oldieszene führt das hier nicht zu Diskussionen. Erlaubt ist, was gefällt. Der Smalltalk dreht sich um Geschichte und Geschichten, man duzt, kennt, neckt sich. Aber ob der Pferdeersatz von Hürlimann, Bührer, Aecherli, SLM oder Motrac einst blau oder grün war? Egal.
Leidenschaft verbindet. «Das ist ein Virus, den man in sich trägt», sind sich Hanspeter (49) und Ursi Brandenberger (46) aus Effretikon ZH einig. «So etwas wollte ich immer haben», sagt er. Das «so etwas» des Ehepaars misst mehr als sechs Meter, wiegt 16,5 Tonnen, heisst Aveling&Porter und ist eine Dampfwalze von 1923.
Zwei Stunden anheizen, um mit acht Sachen zum Sonntagspicknick zu fahren, und den Giganten danach einen Tag lang zu putzen? Hanspeter Brandenberger: «Es wird schon so sein, dass wir spinnen. Aber der Geruch, das Geräusch, wenn die Maschine lebt – das fasziniert.»
Heizlampe unter den liegenden Zylinder stellen, Flamme justieren, 10,5 Liter Hubraum erwärmen, Lenkrad abziehen, seitlich ins Schwungrad stecken und drehen. Pause. Drehen. Pause. Schweiss von der Stirn wischen. Drehen.
Und da: «fump». Dem Auspuff entspringt ein Russwölkchen. Endlich: «fump, fump, fump». Der gemächliche Herzschlag des Einzylinderriesen ist so erschütternd, dass sich die Pneus in den Acker graben. Nun muss es fix gehen, rundum tönt es ebenfalls schon «fump, fump, fump». Lenkrad abziehen, oben wieder einstecken, aufsitzen, Gang rein, los!
Nach nur neun Minuten hat der erste Mensch über seine Maschine gesiegt: Sepp Knüsel aus Küssnacht am Rigi SZ auf Lanz Bulldog HL 12 von 1922. Szenenapplaus zum infernalischen Geknatter vieler, vieler Bulldogs. Gegen den rhythmischen Beat aus zwei Dutzend Monsterzylindern tönt die Zürcher Street Parade wie ein Kaffeekränzchen. Willkommen beim Oldie-Traktorentreffen in Guntmadingen!
Sonst ein verschlafenes 230-Seelen-Dorf bei Schaffhausen, ist es heute Epizentrum historischer Landmaschinen. Überall alte Traktoren, Walzen, Raupen und Maschinen, 750 an der Zahl und sogar aus Sachsen (Deutschland) angereist. Jeder Hof eine Werkstatt, jede Scheune ein Wurststand, rundum Tuckern und Dieselqualm.
Nur ein Randgruppenvergnügen? Von wegen. Die Organisatoren um Jörg Schwaninger haben an drei Tagen etwa 10000 Fans angelockt. «Wir pflegen hier technisches Kulturgut», sagt der 56-Jährige vergnügt. Als Vorsitzender der «Freunde alter Landmaschinen Schweiz» (www.fettpress.ch) weiss Schwaninger 4000 Seelenverwandte hinter sich.
Der Chefexperte im Strassenverkehrsamt Schaffhausen: «Die meisten haben einen Bezug zu Technik oder Landwirtschaft, mal beruflich, mal privat. Früher gab es in der Schweiz über hundert Traktorhersteller!
Zudem ist die Technik simpler und günstiger als bei ‹normalen› Oldtimern.» Zum Staunen: Bauern und Akademiker, Jung und Alt – den Festumzügen mit Trachten, Trompeten und Traktoren zum Trotz hat das Treffen nichts mit einem motorisierten «Musikantenstadl» zu tun. Nicht mal das Vorurteil «Männerhobby» zieht, wenn Anita Schaufelberger (40) herantuckert.
«Andere Leute sammeln Briefmarken», sagt sie schmunzelnd. «Frau und Traktor? Viele wundern sich, manche bewundern mich.» Und tuckert mit 33 PS auf ihrem eigenhändig renovierten 1957er-Ferguson los.
Restaurieren? Toni Gerber (50) aus Grüningen ZH steht an seinem Bührer-Lohn von 1941 und schüttelt nur den Kopf. «Ohne Patina kein Charakter. Ein Traktor muss fahren, aber nicht ins Museum.»
Dann sagt er noch, warum das so wichtig sei: «Gestern kamen zufällig die Tochter und später der Sohn von Willi Bührer – meiner ist einer von nur noch vier bekannten Exemplaren seiner Traktoren. Die Kinder konnten quasi die originale Handschrift des Vaters sehen. Das ist unersetzlich.» Sprichts und heizt der Holzvergaseranlage ein.
Überrestauriert, originalgetreu, patiniert: Anders als in der restlichen Oldieszene führt das hier nicht zu Diskussionen. Erlaubt ist, was gefällt. Der Smalltalk dreht sich um Geschichte und Geschichten, man duzt, kennt, neckt sich. Aber ob der Pferdeersatz von Hürlimann, Bührer, Aecherli, SLM oder Motrac einst blau oder grün war? Egal.
Leidenschaft verbindet. «Das ist ein Virus, den man in sich trägt», sind sich Hanspeter (49) und Ursi Brandenberger (46) aus Effretikon ZH einig. «So etwas wollte ich immer haben», sagt er. Das «so etwas» des Ehepaars misst mehr als sechs Meter, wiegt 16,5 Tonnen, heisst Aveling&Porter und ist eine Dampfwalze von 1923.
Zwei Stunden anheizen, um mit acht Sachen zum Sonntagspicknick zu fahren, und den Giganten danach einen Tag lang zu putzen? Hanspeter Brandenberger: «Es wird schon so sein, dass wir spinnen. Aber der Geruch, das Geräusch, wenn die Maschine lebt – das fasziniert.»
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