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Seit Jahrhunderten geben sich die Preussen und die Bayern aufs Dach. Seit rund 70 Jahren wird das Duell nur mehr auf vier Rädern ausgetragen – zwischen dem Wolfsburger VW- und dem Münchner BMW-Konzern. Wer heute ein Kompaktauto von deutscher Wertarbeit kaufen will, kommt am VW Golf oder 1er-BMW nicht vorbei.
Im letzten Jahr wurden in der Schweiz 7200 Golf und 2400 1er verkauft. Besonders beliebt: Fünftürer mit Basismotorisierung wie der VW Golf 1.4 TSI und der BMW 116i. Beide verfügen mit 122 PS über genau gleich viel Leistung. Doch der Golf hat punkto Fahrleistungen die Nase vorn – nicht zuletzt dank besserem Drehmoment und rund 100 Kilo weniger Gewicht.
Unser Golf-Testwagen profitiert zudem von einem gut abgestuften Direktschaltgetriebe (Aufpreis: 3200 Fr.). Dagegen müssen wir den BMW von Hand schalten. Das funktioniert aber sportlich und sehr präzis. Doppelkupplungsgetriebe gibt’s bei BMW eben nur für den Supersportler M3.
Der Golf ist etwas breiter und höher als der 1er. Davon profitieren die hinteren Passagiere. Es gibt für sie mehr Kopf- und Beinfreiheit als im BMW. Und auch der Golf-Kofferraum ist etwas grösser. Dafür wirkt der BMW mit seiner flacheren Karosserieform deutlich schnittiger als der VW. Und das straffere Fahrwerk des 1ers unterstreicht den dynamischeren Eindruck.
Jugendlich flott oder neutral gemütlich – so unterscheiden sich die beiden Fünfplätzer auch beim Antrieb. Der BMW leitet seine Kraft traditionell auf die Hinterachse, was ihn vor allem in engen Kurven sportlich um die Ecke bringt. Doch verlangt der zum Übersteuern tendierende 116i nach geübter Hand. Der VW ist ein Fronttriebler, der etwas neutraler zu Werke geht und gerade im Winter seine Traktionsvorteile ausspielt. Über serienmässige Fahrhilfen wie ESP verfügen beide Kompaktautos – die Unterschiede im Antriebskonzept fallen so kaum noch ins Gewicht.
Auch beim Spritverbrauch liegen beide Modelle mit Werten um sechs Liter pro 100 Kilometer auf Augenhöhe. Beim Golf gelingt dies dank effizienter Direkteinspritzung. BMW behilft sich serienmässig mit Bremsenergie-Rückgewinnung und einem Stopp-/Start-System. Bei winterlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt ist diese Automatik jedoch ausser Betrieb – und der Verbrauchsvorteil futsch. So erstaunt es nicht, dass der BMW 116i in unserem Test um einen Liter durstiger als der Golf TSI war.
Ob Preusse oder Bayer – sowohl der VW Golf als auch der BMW 116i sind geeignete Einsteiger. Der BMW wirkt zwar pfiffiger, doch den entscheidenden Punkt holt sich der Golf: Er ist deutlich günstiger.