Quant: Durchbruch für Elektroautos? Das Wunder von Genf

Jeder Autohersteller am Genfer Salon ist froh, wenn über ihn berichtet wird. Jeder? Nicht ganz. Der Aargauer Nunzio La Vecchia will die Elektromobilität revolutionieren. Nur darüber sprechen mag er mit SonntagsBlick nicht.

Aktuell auf Blick.ch

Autosalon

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
23 shares
2 Kommentare
Fehler
Melden

«Eurem Scheissblatt geben wir keine Interviews!», staucht man uns am Quant-Stand zusammen. Bereits letztes Jahr präsentierte Nunzio La Vecchia die Sportwagenstudie Quant e am Genfer Salon. Man empfing uns damals freundlich, wies uns aber schon mal darauf hin, dass bei etwaigen kritischen Fragen das Gespräch abgebrochen werde. Unser Artikel fiel kritisch, aber keineswegs vernichtend aus. Zuvor hatte der BLICK unter dem Titel «Der falsche Forscher und sein Solar-Bschiss» La Vecchias hochstaplerische Machenschaften beleuchtet. Der hatte sich bei einer alten Dame von der Zürcher Goldküste 44 Millionen Franken erschlichen – das Zuger Obergericht bestätigte die «absichtliche Täuschung».

Wissen durch Selbststudium
Der extravagante Aargauer La Vecchia zelebriert sich als Multitalent: Als Popsänger hat er bereits zwei Alben produziert, später als Erfinder einen (bislang ausgebliebenen) Durchbruch in der Solartechnik vermeldet. Nun preist er sich als Physiker an, der sich sein Wissen laut Firmen-Website der Liechtensteiner Nanoflowcell «in einem vierjährigen Selbststudium aneignete». Nun zeigt er in Genf gleich zwei Elektrofahrzeuge der Superlative. Zum einen die Weiterentwicklung des letztjährigen Quant e, der neu Quant F heisst. Das schnittige Design des viersitzigen Luxusgefährts ist fast gleich geblieben. Ebenso das Antriebskonzept: Hierbei fliesst gleichzeitig positiv wie negativ geladenes Elektrolyt durch eine Flusszelle. Die auftretende Spannung wird in einem Kondensator gespeichert, der Strom an die vier E-Motoren der Räder abgibt.

Der F leistet angeblich 1090 PS – nochmals 165 mehr als der Quant e. Damit soll es in 2,8 Sekunden auf Tempo 100 gehen, die Spitze betrage 300 km/h. Dank zweimal 250 Litern Elektrolyt liege die elektrische Reichweite bei bis zu 800 Kilometer. La Vecchias zweites Wunderauto, dass in Genf Weltpremiere feiert, ist der Quantino: Ein angeblich massentaugliches Niedervoltfahrzeug, dass mit 350 Litern der ionischen Flüssigkeit bis zu 1000 km weit kommen soll.

Wissenschaft glaubt nicht an Durchbruch
Wie ernst kann man die Quant-Mobile wirklich nehmen? Zur genauen Zusammensetzung und den resultierenden Traumreichweiten gibt das Unternehmen keinerlei Auskunft. In einem aktuellen Bericht spricht «Spiegel online» mit Jens Noack, der am Fraunhofer Institut (ICT) seit Jahren an Flussbatterien forscht. Noack glaubt nicht an die Sensationsnachricht. «Das ICT verfügt über das zentrale Patent zu Redox-Flow-Batterien. Einen derartigen Durchbruch können wir aus wissenschaftlicher Sicht leider nicht bestätigen, wollen ihn aber nicht gänzlich ausschliessen.» Laut Noack wäre eine Flusszellenbatterie, die genügend Strom für den Antrieb eines PW-Motors produziert, viel zu gross, als das sie in ein Auto passe.

Trotz vieler ungeklärter Fragen scheint La Vecchia ausreichend zahlungskräftige Investoren zu haben. Gerüchten zufolge kostet allein der zweistöckige, 600 m² grosse Stand am Genfer Salon zwei Millionen Franken. Wer weiss, wie es weitergeht? Wir werden jedenfalls dranbleiben – mit oder ohne Interview!

Publiziert am 09.03.2015 | Aktualisiert am 09.03.2015
teilen
teilen
23 shares
2 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

2 Kommentare
  • Pascal  Meister , via Facebook 09.03.2015
    Wäre es ein taugliches Konzept, würde ich als anbietende Firma erstmal ein existierendes Elektroauto nehmen und dort zusätzlich Tanks für die Flüssigkeiten einbauen, z.B. im Kofferraum, auf dem Rücksitz oder wo auch immer. Etwas mehr Gewicht ist ja egal, wenn das Konzept dermassen genial ist. Wozu also ein eigenes Fahrzeug entwickeln?
  • Pedro  Solbes aus Bern
    09.03.2015
    Kommt mir vor wie die Geschichte vom Grafen Cagliostro, welcher auch aus lauter Chemikalien Gold herstellen wollte.

    Nur hier wäre es doch einfach herauszufinden ob das Ganze läuft. Einfach eine Teststrecke abfahren und alle wissen bescheid.