Probleme für geplante Gratiszeitung Wo sollen die Ständer stehen?

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Roman Seiler

Nicht alles ist gratis bei einer Gratiszeitung: «.ch» soll in mehr als 30 000 Liegenschaften ausliegen. Doch nicht alle Hausbesitzer wollen Zeitungsständer im Flur. Andere wollen Geld.

Erst zog sich der Verleger Jürg Marquard (61) aus der Investorengruppe um «.ch» (sprich: Punkt CH) zurück – nun taucht bereits das nächste Problem auf: das Distributionskonzept.

Das geplante Gratisblatt soll vom Herbst an bis 7 Uhr morgens in mehr als 30 000 Liegenschaften auf Ständern ausliegen. 425 000 Exemplare will die Post-Tochter DMC täglich verteilen. Zielgruppe sind Bewohner von Häusern mit fünf und mehr Wohnungen in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich. Finanziert wird «.ch» von etwa zehn privaten Investoren, darunter Phonak-Gründer Andy Rihs (64). Doch erst jetzt hat Initiator Sacha Wigdorovits (55) begonnen, die Besitzer der Liegenschaften zu kontaktieren. Sie müssen die Aufstellung der Ständer bewilligen. «Bisher ist das Feedback positiv», so Wigdorovits.

Doch eine Umfrage von SonntagsBlick zeigt: Das Distributionskonzept stösst bei manchen Immobilienbesitzern auf Ablehnung. Zum Beispiel bei Swiss Life. Der Versicherungskonzern besitzt 850 Liegenschaften mit 26 000 Wohnungen. Verwaltet werden sie von der Tochtergesellschaft Livit.

Swiss-Life-Sprecherin Karin Schack: «Livit erlaubt den Herausgebern nicht, Zeitungsständer auf dem Grund ihrer Liegenschaften aufzustellen.» Die Befürchtung: Das Angebot fördere Vandalismus und ziehe Abfall- sowie Sicherheitsprobleme nach sich. Auch Arno Roggo (55), Direktor der städtischen Liegenschaftsverwaltung Zürich, ist noch kein sicherer Bündnisgenosse für «.ch»: «Geht eine Anfrage ein, werden wir diese äusserst zurückhaltend prüfen. Allenfalls lassen wir Ständer in grossen Überbauungen zu.» Dazu Wigdorovits: «Wenn Liegenschaftsbesitzer keine Ständer bewilligen, respektieren wir das und deponieren die Zeitungen ohne sie.»

Ein weiteres Problem: Wigdorovits kommt nicht überall gratis zu Standorten für die Verteilung. Hans Bättig (55), Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands des Kantons Berns: «Dafür sollten Besitzer ein Entgelt verlangen.» Die Stadt Bern, sagt Thomas Gisi, wird eine Gebühr erheben. «Zu prüfen sein wird, wie hoch sie ausfällt», so Gisi weiter. Der Leiter des Tiefbauinspektorats ist für die Erteilung von Sonderkonzessionen zuständig – auch für die Aufstellung von Zeitungsständern. Sacha Wigdorovits will nur für Boxen Miete bezahlen. Die aber seien nur auf den Stationen öffentlicher Verkehrsmittel geplant.

Bern zum Beispiel verlangt für eine Box 500 Franken pro Jahr. Rückt ein Reinigungsteam aus, weil Zeitungen verstreut worden sind, verrechnen die Behörden pro Sondereinsatz eine Aufwandsentschädigung von 1000 bis 1500 Franken. «Da sind wir knallhart», sagt Gisi.

So soll die Zeitung aussehen.- Foto: ZVG

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