Für Sie degustiert Südtirol – viel Wein für wenig Geld

  • Publiziert: 17.11.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Alain Kunz

Endgültig vorbei die Zeiten, als Südtiroler Weine für billigen Magdalener aus Kaltern standen. Das Land der Genossenschaften setzt heute bedingungslos auf Qualität. Ein Besuch in Meran.

Nicht weniger als 15 Genossenschaftsbetriebe listet «Vini d’Italia», die Weinbibel von Gambero Rosso, im Alto Adige (Südtirol) auf. Keine andere Weinbauregion Italiens hat eine solche Dichte an Genossenschaften, die qualitativ hoch stehende Weine produzieren. Wir haben uns nach Meran aufgemacht, um dies vor Ort zu überprüfen. Ziel: die Meranerkellerei. Ein schmuckes Gebäude im Zentrum der Thermenstadt. Alt, etwas baufällig, und der absolute Kontrapunkt zur Kellerei Kaltern, die seit 2006 über ein hypermodernes, stylisches Winecenter aus Holz und Glas verfügt.Ein Drei-Gläser-Wein für Fr. 16.90Kellermeister Stefan Kapfinger ist Önologe und Betriebsleiter der Genossenschaft. Er erzählt, was den Weinbau 2009 der nördlichsten Weinregion Italiens kennzeichnet: «Unser Klima ist trotz der Berge mediterran, weil diese die Nordwinde abhalten. Die Böden sind ausserordentlich und sorgen für eine hohe Typizität, die sich in mineralischen Noten niederschlägt. Die für die Reife nötigen Tag- und Nachtschwankungen sind ausgeprägt. Das Spektrum an Sorten ist gross. Und vor allem: Die Südtiroler Weine zeichnen sich durch ein attraktives Preis-/Leistungsverhältnis aus.»Genug des Eigenlobs. Ab zur Überprüfung. Denn spannend ist es allemal, auf einen Wein zu treffen, der ab Kellerei 7.20 Euro kostet (in der Schweiz Fr. 16.90) und von «Vini d’Italia» mit drei Gläsern bedacht wurde. Also der Höchstnote. Der Weissburgunder Sonnenberg aus dem Apfelparadies Vinschgau steht damit auf Augenhöhe mit Ornellaia und Sassicaia. Er überzeugt tatsächlich auf der ganzen Linie (siehe Tipps). Und: Dank blick.ch ist dieser tolle Wein überhaupt erst in der Schweiz erhältlich.Eine Flasche abends statt ein «Halbeli» mittagsDas Südtirol hat die grosse Chance entdeckt, im Rotweinland Italien zum Weissweinmekka zu werden. Immer mehr werden nebst der Hauptsorte Pinot Grigio Gewürztraminer, Weissburgunder Chardonnay und Sauvignon Blanc angepflanzt. Kein Wunder, sind 19 der 24 Drei-Gläserweine aus dem Südirol im «Vini d’Italia 2010» weiss. Dennoch werden die Roten keinesfalls vernachlässigt. Blauburgunder (Pinot noir) etwa gedeiht neben den autochthonen Sorten Lagrein und Vernatsch prächtig. Im Sinken begriffen ist der Anteil der internationalisierten Rebsorten Merlot und Cabernet Sauvignon. Kapfinger: «Wir besinnen uns auf das eigene Terroir. Der Südtiroler Wein soll als solcher erkennbar sein.»Das Südtirol hats dank Qualitätsbewusstsein gepackt. Kapfinger veranschaulicht: «Früher trank der Arbeiter Tag für Tag ein Halbeli Magdalener zu Mittag. Heute kommt er immer mehr davon ab und genehmigt sich lieber nach getaner Arbeit zu Hause eine schöne Flasche.» Das habe bei der Meranerkellerei dazu geführt, dass die Produktion von Sieben-Deziliter-Flaschen von 125 000 auf fast 600 000 gesteigert wurde. Sprichts und schwärmt vom Saft aus dem Fass neben ihm. «Die Trauben des Jahrgangs 2009 sind perfekt. Das wird ein sensationeller Jahrgang.»

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