SP-Nationalrat fordert Kopftuch-Verbot

  • Publiziert: 28.03.2004, Aktualisiert: 02.01.2012

GRENCHEN SO – SP-Nationalrat Boris Banga fordert ein Kopftuch-Verbot für muslimische Schülerinnen. Das sorgt bei seiner Partei für rote Köpfe.

«Dafür habe ich kein Verständnis», wettert SP-Generalsekretär. Reto Gammas Unmut richtet sich gegen die Absicht seines Parteifreundes Boris Banga, das Tragen von Kopftüchern an den Grenchner Schulen zu verbieten. Nationalrat Banga, der auch Stadtpräsident von Grenchen ist, machte seine Forderung diese Woche in der Zeitschrift «Facts» publik. Seine Absicht: die Integration muslimischer Mädchen fördern.

Bei ihm habe es «Klick gemacht», als ein Grenchner Lehrmeister sagte, dass er niemals eine Lehrtochter mit Kopftuch anstellen würde. «Ausländische Kinder haben es oft schwer, sich zu integrieren. Das Kopftuch macht es noch schwieriger.» Banga will mit seiner Forderung die Chancengleichheit erhöhen.

Nur wenige Stunden nach Erscheinen des Artikels mailte das SP-Generalsekretariat eine Positionsnahme an die Fraktion. SonntagsBlick liegt der Text vor. Zitat: «Die SP Schweiz stellt fest, dass es sich beim ‹Kopftuchproblem› um eine aufgebauschte Debatte handelt. Es stellt in der Schweiz kein Problem dar, weshalb es für uns auch keine prioritäre Bedeutung hat.»

Boris Banga: «Mir geht es nicht um ein schweizweites Kopftuch-Verbot. Ich habe die Forderung auch nicht als Nationalrat eingebracht, sondern als Stadtpräsident, der die Probleme in seiner Stadt lösen muss.»

Auch Ruth-Gaby Vermot, SP-Nationalrätin und Spezialistin in Fragen der Integration, kritisiert Bangas Forderung: «Mit dem Verbot wird die Diskriminierung muslimischer Mädchen nicht verhindert. Es braucht vielmehr eine gezielte Integration. Mit dem Kopftuch verschwindet nur ein Stück Stoff.»

Banga lässt die Kritik aus den eigenen Reihen nicht kalt: «Die SP propagiert Interation. Darum muss das Thema auf den Tisch. Wir dürfen das nicht der SVP überlassen.»

Ein Kopftuch-Verbot in der Schweiz besteht bereits – es erging per Bundesgerichtsurteil: Seit 1997 dürfen Lehrerinnen an öffentlichen Schulen kein Kopftuch mehr tragen. Ein weiteres Urteil von 1993 entbindet muslimische Mädchen vom gemischten Schwimmunterricht. In vielen Gemeinden wird auch religiösen Speisevorschriften Rechnung getragen, und an ihren Festtagen dürfen muslimische Schüler frei nehmen. Dazu Banga: «Solche Sonderregelungen bremsen die Integration der ausländischen Kinder.»

Dass ihm nun Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen werden könnte, ist Banga bewusst: «Es geht mir nur um die Integration und den Schutz der Kinder.» Er ist zufrieden über die Kontroverse: «Mein Ziel ist erreicht. Endlich wird öffentlich über das Problem diskutiert.»

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