Spion & Spion Schweiz als Paradies für CIA-Schnüffler

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Johannes von Dohnányi und Sandro Brotz

Die CIA war in der Schweiz aktiver als bisher bekannt. Was wusste Bern davon?

Am 17. Februar 2003 wurde der islamistische Imam Abu Omar aus Mailand (I) nach Kairo verschleppt. Die italienische Justiz hat 22 CIA-Agenten als Entführer im Verdacht. Ihre Spuren führen in die Schweiz.

Der Chef des CIA-Kommandos, Robert Seldon Lady (52), stieg nach der Entführung in Zürich ab und flog dann zum Folterverhör Omars nach Kairo (SonntagsBlick berichtete). Italienische Akten im Besitz von SonntagsBlick beweisen nun, dass mindestens zwei weitere Mitglieder des CIA-Kidnapperteams in die Schweiz kamen: John Kevin Duffin (53), der den Islamisten auf den norditalienischen US-Stützpunkt Aviano begleitet hatte, reiste am 20. Februar über Mailand ein. Die Agentin Pilar Rueda (44) folgte einen Tag später. «Kein Zufall», behauptet ein Ex-Geheimdienstler aus der Schweiz: «Nach so einer Operation werden die Beteiligten immer zuerst befragt.»

Die Schweiz ist auch aktiv in die Affäre um die CIA-Flüge verwickelt. Der Tessiner FDP-Ständerat Dick Marty (60) wird demnächst in Bern vorstellig, um Informationen über mindestens drei Landungen von CIA-Flugzeugen in Genf zu erlangen. Mit solchen Flügen soll die CIA Terrorverdächtige in geheime Gefängnisse gebracht haben, in denen gefoltert wird.

Zwei hohe Schweizer Geheimdienstler erklärten gegenüber SonntagsBlick, dass die Amerikaner den Inlandgeheimdienst DAP im Nachhinein über diese Landungen informiert haben. Das deckt sich mit dem, was Marty schon in anderen europäischen Ländern erfahren hat, deren Regierungen stets alle Meldungen über Geheimgefängnisse dementiert haben: «Es stimmt nicht, dass die Regierungen nichts wussten. Sie wollten nichts wissen.» Darüber zu schweigen, so Marty, sei «mindestens so schlimm wie die Folterflüge selbst».

Ein erstes Ergebnis hat die wachsende Empörung in der Öffentlichkeit bereits gebracht. Die Luzerner FDP-Ständerätin und Präsidentin der Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel), Helen Leumann-Würsch (62), setzte die CIA-Landungen in Genf für Mitte Dezember auf die Tagesordnung.

Der Tessiner Ständerat Dick Marty CIA-Machenschaften in der Schweiz: Der Tessiner Ständerat Dick Marty fragt nach- Keystone

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