Migros-Dutti als Kinoheld

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Dominik Hug

Er starb vor 45 Jahren. Jetzt feiert er im Kino Auferstehung: der sagenumwobene Migros-Gründer Gottlieb «Dutti» Duttweiler.

Es ist seltsam, dass niemand zuvor die Idee hatte, einen Film über Dutti zu drehen», sagt Martin Witz (51). Schliesslich gebe es in der Schweiz nicht viele derart aussergewöhnliche, aber auch widersprüchliche Persönlichkeiten wie den 1962 im Alter von 74 Jahren verstorbenen Migros-Gründer Gottlieb «Dutti» Duttweiler. «Er war von einem erstaunlichen Kaliber», so Witz, «aus Gesinnung Demokrat, im Temperament jedoch ein Diktator.»

Drei Jahre hat der Regisseur mit Produzent Andres Pfäffli (53) an «Dutti der Riese» gearbeitet. Die Produktion verschlang fast eine Million Franken. Entstanden ist ein unabhängiger Autorenfilm, kein Auftragsfilm der Migros, wie Witz beteuert. Bislang unveröffentlichte Dokumente und Tonaufnahmen zeigen Dutti als furchtlosen, zugleich harmoniebedürftigen Menschen. «In jungen Jahren war er ein Kriegsgewinnler, später Humanist und Genossenschafter», so Witz.

Mit 100 000 Franken gründete Dutti 1925 die Migros: Aus fünf umgebauten Ford-Lastwagen verkaufte er Zucker, Reis, Kaffee und Seife. Heute hat die Migros rund 80 000 Mitarbeiter und zählt zu den grössten Konzernen der Schweiz.

«Gegen Ende seines Lebens war Dutti ein grosser Zweifler», weiss Pfäffli, «skeptisch gegenüber der grenzenlosen Konsumgesellschaft, die er selbst mitaufgebaut hat.» Für Kultur und Humanität einzustehen sei wichtiger als dem Konsum zu frönen und Geld zu verdienen, so Duttis Erkenntnis. Witz: «Schon das macht ihn zur einzigartigen Figur in der Geschichte der Schweiz und zu einem längst fälligen Kinohelden.»

Zur Person

Geboren am 15.8.1888 in Zürich, gründete Gottlieb Duttweiler 1925 in Zürich die Migros . Mit seinen fahrenden Läden, die lebensnotwendige Güter zu runden Preisen anboten, leitete er eine Revolution im Schweizer Detailhandel ein. Mit dem Erfolg der Migros-Lastwagen zog er den Zorn von Detaillisten auf sich, der in einem Filialverbot im Jahr 1933 endete. Daraufhin zog Gottlieb Duttweiler in die Politik, wo er den Landesring der Unabhängigen gründete und bis zu seinem Tod am 8.6.1962 im Schweizerischen Parlament vertreten war.

Zu seinen Hauptverdiensten gehören das Verkaufsverbot von Tabak und Alkoholika in seinen Migros-Filialen, die Einführung des Migros-Kulturprozents und die Gründung des Gottlieb-Duttweiler-Instituts in Rüschlikon, das sich mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen auseinander setzt.

Heute ist die Migros mit 80000 Angestellten der grösste Arbeitgeber in der Schweiz.

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