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Verleger Jürg Marquard (61, «Cosmopolitan», «Joy», «Playboy») will offensichtlich kein Geschirr zerschlagen: «Ich halte das Projekt ‹.ch› für ein Erfolg versprechendes Vorhaben.» Eigentlich habe er beabsichtigt, sich «mit einer wesentlichen Beteiligung» bei «.ch» (sprich «Punkt ch»; zu engagieren, verriet Marquard gegenüber SonntagsBlick.
Damit nimmt er zum ersten Mal Stellung zu seiner Rolle bei dem Gratiszeitungsprojekt. «Im Verlauf der Projektarbeit ist mir jedoch klar geworden, dass ich bei diesem Unterfangen meine verlegerischen und unternehmerischen Erfahrungen und Prinzipien zu wenig einbringen kann. Ich habe mich deshalb entschlossen, auf eine Beteiligung zu verzichten.»
So vorsichtig Marquard auch formuliert, seine Aussage lässt tief blicken. Wenn der Medienmacher sein Geld gibt, will er auch ein Wörtchen mitreden. Und offenbar kam es genau darüber zu keiner Einigung. Der Ausstieg ist ein herber Rückschlag für die Zeitungsmacher. Mit wie vielen Millionen Marquard sich beteiligen wollte, ist unklar. Doch er ist nicht für Halbheiten bekannt: Sein Einsatz dürfte gewichtig gewesen sein.
Alles kein Problem, sagt «.ch»-Initiator Sacha Wigdorovits (55). «Wir waren uns über die Kräfteverhältnisse im Verwaltungsrat nicht einig. An Jürg Marquards Stelle beteiligt sich die Innsbrucker Verlegerfamilie Moser. Sie ist die grösste Gratiszeitungsverlegerin Österreichs und Herausgeberin der «Tiroler Tageszeitung». Der St. Galler Anwalt Ernst Buob wird die Familie im Verwaltungsrat vertreten.
Insider vermuten, Marquard habe daran gezweifelt, dass der geplante Kapitaleinsatz für das Abenteuer ausreichen würde. 50 bis 60 Millionen sollen Wigdorovits und sein Team veranschlagt haben. Damit will man in drei bis sechs Jahren in die Gewinnzone vorstossen. «Das reicht nie», prognostiziert Rolf Bollmann, der für Tamedia, die Verlegerin des führenden Gratistitels «20 Minuten», an einem Gegenprojekt zu «.ch» arbeitet. Verlagsexperten schätzen, dass mindestens 100 Millionen Franken investiert werden müssten, um die Marktmacht von «20 Minuten» zu brechen.
Verleger Michael Ringier (BLICK, SonntagsBlick u. a.) sagte in der «Finanz und Wirtschaft»: «Wer für eine Neulancierung mit 60 Millionen Franken budgetiert, wird 120 Millionen bereitstellen müssen und am Schluss vielleicht gar 150 Millionen benötigen.» Immerhin, Aussteiger Marquard macht Mut: «Ich wünsche Sacha Wigdorovits, den Mitarbeitern und Investoren alles Gute und viel Erfolg.»