Präsident der Schweizer Game-Nationalteams: «E-Sport spätestens in acht Jahren olympisch»

  • Publiziert: 08.04.2005, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Pascal Zuber

Wenn Thomas Fässler (21) nicht gerade seinem Büro-Job nachgeht, organisiert er riesige Game-Events und fungiert als Chef der Schweizer Game-Nati. Blick Online traf den jungen Macher.

In wenigen Wochen findet der «Mystery-LAN» in Erich von Dänikens Mysterypark statt. Wie entstand die Idee zu diesem Grossevent?


Der Mysterypark kam zuerst auf uns zu. Sie suchten einen Partner und haben ihn in der «SGA», der Swiss Gaming Association gefunden. Das heisst, die «SGA» wurde eigentlich extra für diesen Event gegründet und stellt einen Zusammenschluss aus verschiedenen Schweizer Gaminginstitutionen dar.



Was sind Ihre Erwartungen an den Event?


Es soll der beste E-Sport-Event des Jahres werden. Und uns liegt besonders am Herzen, die ganze E-Sport-, LAN- und Gaming-Sache nach aussen zu tragen und zu professionalisieren.

Wer soll an die «Mystery-LAN» kommen?

Alle. Wir wollen einerseits Hardcore-Gamer, aber auch Fun-Gamer ansprechen. Darauf richten wir auch unser Angebot aus. . Einerseits bieten wir hochdotierte Turniere für die Profi-Gamer an, andererseits Funturniere für Gelegenheitsspieler. Man kann aber auch mit Freunden kleine Spontan-LAN-Matches starten. Weiter ist die «Mystery-LAN» der erste LAN-Event, an dem auch Konsolen-Gaming angeboten wird. Wir haben einen speziellen Playstation2-LAN-Raum eingerichtet.



Ein Playstation-LAN – aufgrund von Sponsorengeldern oder aus freien Stücken?

Freiwillig. Wir wollen dazu beitragen, das Hobby-Gamer-Image der Konsolen-Spieler zu korrigieren. Denn es gibt mittlerweile sehr versierte und talentierte Leute auf der Xbox oder der Playstation2.



Was ist das Besondere an einer LAN-Party? Kann ich nicht genauso gut von zuhause aus übers Internet gegen andere zocken?


Es ist das Gemeinschaftsgefühl. Du spielst beispielsweise monatelang gegen Leute im Internet, die du dann an einer LAN-Party endlich kennen lernst. Das ist schon etwas Besonderes. Man sieht sich halt, spricht miteinander und geht nach dem Turnier vielleicht noch einen trinken. Das Zwischenmenschliche kommt viel mehr zur Geltung.



Was ist «Team Switzerland»?

Der Verband aller Schweizer National Teams im E-Sport. Unsere Teams vertreten die Schweiz an internationalen Game-Events, wie zum Beispiel an der EM oder der WM. Zurzeit sind wir in 24 PC-, PS2- und Xbox-Games vertreten.



Konnte eines der Teams schon mal grosse Erfolge verbuchen?


Der grösste Erfolg war wohl der Weltmeister-Titel in «Quake 3».



Wie wird «Team Switzerland» finanziert?

Wir sind grösstenteils kostendeckend durch die Gaming-Events, die wir organisieren. Vor allem anfangs waren es aber einzelne Mitglieder, die privat in die Tasche gegriffen haben.



Wieviele Mitglieder zählt «Team Switzerland»?

Wir sind ca. 300 Leute. Davon 270 Gamer. Der Rest besteht aus Staff, Administration, Redaktion und Spielerbetreuung.



Was muss man tun, um bei euch Mitglied zu werden?

In mindestens einem Spiel einer der besten Gamer in der Schweiz sein, was ziemlich schwierig ist. Das professionelle Gamen in der Schweiz ist ja in Ligen aufgebaut. Das heisst, man kennt sich in der Szene und jeder hat auch einen Ruf. Beweist jemand besonderes Talent, ist gut in Form und hat gute Reflexe, kommt er für ein Nationalteam in Frage. Bei Konsolen ist das im Moment noch etwas einfacher als beim PC.


Wird E-Sport olympisch?

Trotz Bemühungen von grossen Spiele-Institutionen wird LAN-Gamen in Peking 2008 leider noch nicht olympisch. Spätestens aber in acht Jahren, denke ich. In Ländern wie Südkorea oder China, wo der E-Sport bereits boomt, hängt schon ein mächtiger kommerzieller und medialer Apparat mit dem Gaming zusammen.



Wie sieht die E-Sport-Zukunft in der Schweiz aus? Kann man auch hier bald vom Gamen leben?

Auch wir haben schon mit «Swiss Olympic» Kontakt aufgenommen. Dort zeigte man sich allerdings noch wenig offen. Dennoch ist vor allem seit dem letzten Jahr ein klarer Aufwärtstrend zu beobachten. Die Medien beginnen sich zu Interessieren oder Sponsoren springen auf. Wir sind drauf und dran, den E-Sport in der Schweiz schrittweise zu professionalisieren. Dass jemand in der Schweiz in den nächsten Jahren vom Gamen leben kann, glaube ich aber nicht. Vielleicht, wenn er als besonderes Talent im Ausland entdeckt wird.

play Thomas Fässler (21): «Wir wollen an der Mystery-LAN die PC- und die Konsolenwelt vereinen.»

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