Attacke Diese Frau soll weg!

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Susanne Mühlemann

Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre steht unter Dauer-Beschuss. Jetzt wird sogar ihr Rücktritt gefordert. TV-Experten stärken der Managerin den Rücken.

Seit es das Fernsehen gibt, wird es kritisiert. Alle Fernsehdirektoren im Leutschenbach wurden immer wieder heftig angeschossen», sagt der erfahrene Medienexperte Roger Blum (62). Die derzeitige TV-Direktorin könnte sich also trösten, doch im Fall von Ingrid Deltenre (46) wird die Kritik zunehmend aggressiv und persönlich.

Nach der jüngsten heftigen Attacke in der «Weltwoche» melden sich jetzt auch Fernsehexperten zu Wort. CS-Topmanager Urs Rohner (47) stand vier Jahre an der Spitze der deutschen Sendergruppe ProSiebenSat.1. Seine Einschätzung: «Deltenre hat sehr schnell und erfolgreich die verkrusteten Strukturen bei SF aufgebrochen und mit Mut Neues gewagt, sowohl beim Erscheinungsbild wie programmlich.» Bemerkenswert findet Rohner, dass Deltenre mit SF 2 junges Publikum hinzugewinnen konnte. Die Kritik an neulancierten Formaten hält der TV-Profi für normal. Dass nicht jede Sendung zum Erfolg werde, sei nicht beunruhigend, sondern ganz einfach Teil des Fernsehgeschäfts: «Wer etwas anderes behauptet, hat keine Ahnung vom TV-Business», so Rohner.

«Sie ist sich ihrer besonderen Verantwortung sehr bewusst»

Für Fernsehkenner Kurt Felix (66) ist klar: «Ingrid Deltenre steckt im schier unlösbaren Dilemma: Erneuert sie das Programm nicht, wird kritisiert, sie tue nichts. Ersetzt sie Sendungen, dann heisst es: Früher war alles besser.» Er spricht der SF-Direktorin ein dickes Lob aus: «Die Eigenleistung des Schweizer Fernsehens ist im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Sendern überdurchschnittlich gross.»

Auch SRG-Chef Armin Walpen (58) geht die Kritik diesmal entschieden zu weit, er nimmt die Fernsehmanagerin in Schutz. «Der Generaldirektor schätzt Frau Deltenre als selbständigen und intelligenten Menschen. Sie ist ein wertvolles Mitglied der Geschäftsleitung der SRG SSR idée suisse mit einem sehr guten Leistungsausweis in ihrer Funktion als Chefin des Schweizer Fernsehens», heisst es in der Stellungnahme der SRG. Ausserdem widerspricht Deltenres Arbeitgeber den Vorwürfen, durch ihre private Partnerschaft mit dem PR-Berater Sacha Wigdorovits (55) vermische sie Privates und Geschäftliches: «Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich Ingrid Deltenre bei Interessenkonflikten nicht korrekt verhalten hätte. Im Gegenteil: Sie ist sich ihrer besonderen Verantwortung sehr bewusst.»

Der Fall

Passagen aus der massiven Attacke der «Weltwoche»:

– «Die Zahlen sind schlecht, sehr schlecht sogar, genau genommen alarmierend, katastrophal. Intern kann die Direktorin das Desaster, das sie angerichtet hat, nicht länger übertünchen.»

– «Ihre Orientierung an den Quoten und der unreflektierte Umbau haben die Direktorin und ihre Institution in die Irre geführt.»

– «Ihre Reform bestand aus Kosmetik am Design, Schwächung der Führung, Verseichtung alter Marken, Verschrottung der Unterhaltung, dem Ersatz erfolgreicher Formate durch erfolglose.»

– «Der Tag, an dem Wigdorovits (Deltenres Lebespartner) auch Verleger wird, müsste das Datum ihres Rücktritts sein, spätestens. Die wechselseitige Gefangenschaft in unauflösbaren Interessenkonflikten ist dann nicht länger Spekulation, sondern Medienrealität.»

– «Die Chefin lügt der Crew und sich selber etwas vor, sie verbreitet irritierend platte Durchhalteparolen.»

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Sind die Rücktrittsforderungen an Ingrid Deltenre berechtigt?»