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Die achtjährige Witwe Chuyia wird von ihrer Familie in einen Tempel verfrachtet, wo sie zusammen mit 14 andern Hindu-Witwen ein zurückgezogenes Leben der Entbehrung und Busse bis zum Tod führen muss.
Eine marihuanaabhängige Matriarchin und ein ihr ergebener Eunuch bestimmen. Die Attraktiven müssen sich in den Villen der Reichen heimlich prostituieren, um den Betrieb über Wasser halten zu können.
1938 ist es den indischen Witwen noch nicht gestattet, wieder zu heiraten. Die Religion ist Vorwand, das Materielle zu kaschieren: Witwen im Haus eines Verstorbenen zu belassen, kostet. Dass eine der eingeschlossenen Witwen nach einer verbotenen Zufallsbegegnung eine Romanze beginnt, sogar eine Hochzeit erwägt, lässt das Gesetz – basierend auf zweitausend Jahre alten Religions-Texten – nicht zu.
Die mutige indische Hindu-Regisseurin Deepa Mehta («Fire», «Earth») legt hier den dritten Teil ihrer beachtlichen Trilogie über ein Antibilderbuch-Indien vor. Auch diesmal wurde sie durch massive Proteste in der Produktion behindert. 2000 mussten die Dreharbeiten abgebrochen werden, nachdem Hindu-Fundamentalisten die Filmsets in Indien zerstört und Morddrohungen ausgesprochen hatten.
Fünf Jahre später erst konnte sie im buddhistischen Sri Lanka mit nachgebauten Hindu-Tempeln die Arbeit fortsetzen.
«Water» ist ein beklemmender, sozialpolitischer Film, der ein rückständiges Indien während des Umwälzungsprozesses zeigt. Mahatma Ghandi versuchte damals, den riesigen Staat in die Unabhängigkeit und in ein menschenwürdigeres Leben zu führen.
Ein leidenschaftliches, berührendes Werk. Die Ungerechtigkeit, die die Witwen erleiden, sind subtil wiedergegeben und wirken umso realistischer. Wenn wir im Schlussbild lesen, dass im heutigen Indien immer noch 34 Millionen Witwen darben, wird die schockierende Geschichte aus dem Jahre 1938 noch glaubwürdiger.