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Laut einer Studie nennen 44 Prozent der erwachsenen Mediennutzer das Fernsehen als Hauptnachrichtenquelle. Also legen die Parteien den Speck, mit dem sie ihre Wähler anlocken wollen, auf dem Bildschirm aus. Und da präsentieren sie die fettigsten Happen.
Die Grünen ködern das Wahlvolk sogar mit drei Speckschwarten: Unterschriftensammlungen für die Klimainitiative, die Landschaftsinitiative und für die Initiative gegen Offroader. Zudem organisieren sie ein Weckerläuten gegen Atomkraftwerke. Die FDP rechnet flache Steuertarife vor. Die CVP versteigert eine Kaffeepause mit ihrer Bundesrätin. Die SP tourt mit einem roten Wagen durch die Schweiz und sammelt Unterschriften für Steuergerechtigkeit. Die SVP lanciert eine Initiative gegen kriminelle Ausländer, die das Land der friedlichen Schafhirten gefälligst zu verlassen hätten. Das Fernsehen ist als Wirkungskanone dabei.
Die Erfahrung zeigt, dass Wahlentscheidungen zeitlich immer später fallen. Andererseits können Parteien nicht wettmachen, was sie in den letzten vier Jahren verpasst haben. Die Hauptlast der telegenen Themenvermittlung tragen die Parteiprotagonisten. Und sie tun gut daran, sich an einige Regeln zu halten, die dem Medium Fernsehen gerecht werden.
Als Faustregel gilt, dass ein TV-Statement nicht länger als 40 Sekunden dauern sollte. Die Kernbotschaft muss präzise herausgeschält werden: eine Botschaft mit einem Argument und einer Vertiefung müssen reichen. Natürlich kann niemand in einer knappen Minute sein ganzes Grundsatzprogramm erklären. Ausführlicheres dazu lässt sich wohl besser in der Zeitung lesen.
Grau bis grausam sind Gesichter wie essigsaure Tonerde. Betroffenheitsblicke, als ob die Schweiz ein Jammertal wäre. Heisse Luftblasen und Selbstdarstellungsqualm. Schwafellippen und Kurvenreden. Auch unvorbereitetes Wischiwaschi-Geplauder nervt.
Es ist schon so: Im Fernsehen kommen Emotionen halt am besten rüber. Wählen ist schliesslich nicht nur eine Sache des Kopfes, sondern auch des Herzens. Auf dem Bildschirm zeigen Parteileute, wenn auch leicht geschminkt, ihre wahren Gesichter. Wer in eine Pose flieht oder sich zu verstellen versucht, verliert. Die Fernsehkamera ist eine Art Röntgengerät, die jede Unsicherheit offenlegt.
Es hat Jahrzehnte gedauert, bis das Schweizer Fernsehen ein Bühnenbild für ein funktionales Wahl- und Abstimmungsstudio gebaut hat. Vorher änderten die Logos und Dekors fast von Abstimmung zu Abstimmung. In den 70er-Jahren wurden die Resultate der eidgenössischen Wahlen sogar in einer grossen Unterhaltungskiste aus dem Studio 1 bekanntgegeben, wobei die Show überwog. Heute ist die Tonalität weniger amüsant. Urs Leuthard lässt es nicht zu, dass seine Talkgäste in Politklischees herumstolpern. Er legt ein Fragetempo vor, dem selbst versierte Parteistrategen nur nach leeren Schluckpausen folgen können. Und was die Publikumsköpfe im Hintergrund sollen –sie lenken nur ab –, beibt ein Rätsel.
Niemand kann voraussagen, wer am Wahlabend, also am 21. Oktober, in der TV- «Elefantenrunde» als Sieger im Studio steht. Nur eines ist für Gewinner und Verlierer gewiss: Die Parteipräsidenten Maurer, Darbellay, Pelli und Fehr werden folgenden ersten Klischeesatz aufsagen: «Zuerst möchte ich mich bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, die uns ihre Stimme gegeben haben, herzlich bedanken!»
TV-Experte Kurt Felix analysiert im SonntagsBlick Magazin das Medium Fernsehen.- Foto: RDB