Gaddafis Aussenminister: «Calmy-Rey blockiert Lösung»

  • Aktualisiert am 03.01.2012

BERN – Erneut schiesst Mussa Kussa scharf gegen die Schweiz: Diesmal nimmt der libysche Aussenminister seine Schweizer Amtskollegin ins Visier.

«Ich habe den Eindruck, die Aussenministerin versteht uns nicht», klagt Mussa Kussa in einem Interview mit der Zeitung «La Liberté». «Wir haben Mühe, mit ihr zu kommunizieren.» Um einen richtigen Dialog führen zu können, müsse die Schweizer Regierung eine andere Kontaktperson einsetzen.

Als Beispiel nannte Mussa Kussa das Schiedsgericht, das die Verhaftung des Sohnes von Machthaber Muammar al-Gaddafi in Genf im Juli 2008 untersuchen solle. Calmy-Rey «will diese Lösung nicht», stellte er fest. Für Tripolis sei es eine Forderung, damit die Krise beendet werden könne.

Ein solches Schiedsgericht sah das Abkommen vor, welches der damalige Bundespräsident Hans-Rudolf Merz beim so genannten Kniefall von Tripolis mit Libyen abschloss. Nachdem das Regime in Tripolis zwei Schweizer an einen unbekannten Ort verschleppte, setzte die Schweiz das Abkommen auf Eis

Libyen will Bundespräsidentin Doris Leuthard einschalten

Das libysche Regime verstehe zudem nicht, warum die Schweiz und Libyen nicht auf höherem Niveau diskutieren könnten, hielt Mussa Kussa fest. «Warum haben wir keinen Kontakt zur Bundespräsidentin?» Auch das Schweizer Parlament könne eine Rolle spielen.

In Tripolis mache sich das Gefühl breit, der Schweizer Regierung fehle «der Wille, Lösungen zu finden», sagte Mussa Kussa weiter. Das erkläre – zusammen mit der «schändlichen» Schengenvisa-Sperre gegen hochrangige Libyer -, warum die Beziehungen zwischen Bern und Tripolis sich verschlechtert hätten.

Mit dieser Liste hatte die Schweiz auf die Festhaltung der beiden Schweizer Max Göldi und Rachid Hamdani reagiert – Hamdani ist mittlerweile frei, Göldi sitzt seit über drei Wochen in einem Gefängnis in Tripolis.

Der Hoffnung, Göldi könnte bald begnadigt werden, erteilte der libysche Aussenminister eine Absage. Göldi «wurde verurteilt und muss eine viermonatige Gefängnisstrafe verbüssen. Danach wird er freigelassen», sagte Mussa Kussa.

Experte: Libyen blockt

Der französische Spezialist für Internationale Beziehungen, Luis Martinez, wirft im Gegensatz zu Mussa Kussa der libyschen Seite vor, sie wolle die Krise nicht lösen. Dies zeigten die Forderungen Libyens – vor allem jene nach einer Entschuldigung der EU für die Visasperre, sagte Martinez in einem Interview mit «Le Temps.»

Damit versuche Tripolis, die Latte für die Krisenlösung so hoch zu setzen, dass es gar keine Lösung geben kann. Eine solche Entschuldigung der EU sei «schwer vorstellbar». Aus seiner Sicht handelt es sich nicht um eine politische Affäre, sondern um eine symbolische Angelegenheit der Familie Gaddafi. (SDA)

Schlecht zu sprechen auf seine Schweizer Amtskollegin: Mussa Kussa.

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