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Das ist ein Angriff auf die multikulturelle Schweiz», der italienische Botschaftssekretär Mario Fridegotto (57) gibt sich ganz undiplomatisch. Mit harten Worten kritisiert er den Entscheid der Cablecom, die populären Sender Rai Uno und Canale5 abzuschalten. Die Botschaft verlangt eine Begründung, warum die Kabelnetzbetreiberin den unverständlichen Beschluss fasste. Harsch reagiert auch die französische Vertretung in Bern: Man will das Aus für France 2 und TF1 nicht hinnehmen und in den nächsten Tagen bei Cablecom vorstellig werden.
Der Grund für die Aufregung: Vergangene Woche kündigte Cablecom an, in den nächsten Monaten sechs Kanäle (Canale 5, Rai Uno, N-TV, France 2, TF1 und WDR) aus dem analogen Angebot zu kippen. Damit will die Marktführerin ihre 1,5 Millionen Kunden zum Umstieg auf das teure Digitalfernsehen bewegen, wo diese Sender weiter zu sehen sind.
Viel Frust und scharfe Briefe gegen Cablecom
Die Botschaft kam ganz schlecht an. Cablecom-Chef Rudolf Fischer muss seit Tagen vernichtende Kritik einstecken. Die Leserbrief-Seiten der Schweizer Zeitungen sind voll von scharfen Briefen gegen Fischer und seine Cablecom. «Eine Sauerei: Zuerst das Programm vom Kanal nehmen, um ihn anschliessend wieder gegen eine Gebühr aufzuschalten», bringt Shanana in einem Web-Blogg die momentane Anti-Cablecom- Stimmung auf den Punkt.
Gegenüber SonntagsBlick nimmt Fischer nun erstmals Stellung: «Es ist uns bewusst, dass das Verschieben von weiteren Sendern bei vielen unserer Kunden Verunsicherung und Frustration auslöst.» Der Cablecom-Chef zeigt zwar Verständnis für den Ärger. An der eingeschlagenen Politik will er aber nicht rütteln. Die Digitalisierung des Fernsehens sei eine Entwicklung, die sich wie die Einführung des Computers oder der digitalen Musikmedien nicht aufhalten lasse, argumentiert der angeschossene Manager. Sie sei keine Erfindung der Cablecom, die diese Signale übertrage.
Satellitenschüssel oder Bluewin-TV als Alternativen
Den Kunden bleibt der Frust – und zwei Alternativen. Eine Variante ist der Kauf einer Satellitenschüssel, die zweite bietet die Swisscom mit ihrer neuen Fernseh-Plattform Bluewin-TV. Tatsächlich spürt die Swisscom bereits Rückenwind: «Viele unserer neuen Kunden waren mit den Dienstleistungen anderer Anbieter nicht mehr einverstanden», erklärt Sprecher Carsten Roetz. Die Diskussion um Senderstreichungen aus dem analogen Kabelnetz fördere diesen Effekt.
Die Cablecom verärgert schweizweit Kunden mit ihrem Streichkonzert bei den analogen TV-Sendern.- Foto: David Adair