Alles unter Kontrolle?

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Marcel Zulauf

ZÜRICH – Orwells grosser Bruder ist längst Tatsache. Aber er guckt nicht nur in Ihr Wohnzimmer. Er kontrolliert auch Ihre Musik- und Filmsammlung. Nun wehren sich User dagegen.

Digitale Medien haben einen ungeheuren Vorteil: Sie haben eine gleich bleibende Qualität und lassen sich verlustfrei kopieren. Man kann Kinofilme auf eine DVD brennen oder ganze Musiksammlungen auf dem MP3-Player mit sich herumtragen.

Eigentlich eine tolle Sache. Aber nur solange, wie sich der Käufer an das hält, was ihm der Verkäufer zugesteht. Denn immer mehr Medien sind mit einem äusserst restriktiven Kopierschutz ausgestattet. So gesehen haben digitale Medien einen ungeheuren Nachteil. Sie lassen sich programmieren und so für gewisse Anwendungen sperren.

Was sich hinter dem Begriff Digital Rights Management DRM (digitale Rechteverwaltung) verbirgt, hat mit einem simplen Kopierschutz nur noch wenig gemein. Es ist vielmehr eine grobe Einschränkung der Nutzungsrechte. CDs, die sich nicht mehr auf jedem Gerät abspielen lassen, sind nur eine Variante davon.

Sony machte vor einem Jahr mit einem Programm schlecht von sich reden, das sich via Kopierschutz von Audio-CDs auf den Computern der Käufer installierte und deren Nutzung von Medien untersuchte. Angeblich aus Urheberrechtsgründen, um Raubkopien zu verhindern. Nach lauten Protesten hat Sony das Programm entfernt.

Auch die immer beliebteren MP3-Songs sind mit sehr strengen DRM-Codes versehen. So können die Lieder von Marktführer Apple aus dem iTunes-Store nur auf dem iPod abgespielt werden. Aber auch die anderen Anbieter sind nicht freizügiger. So verlockend die Gratis-Songs, die die grossen Musiklabels demnächst anbieten, klingen mögen, ihre Nutzung ist vielfach limitiert – auf ein Abspielgerät, auf eine bestimmte Zeitdauer oder auf eine gewisse Anzahl möglicher Wiedergaben.

Die diversen Abo-Dienste von Online-Musikläden funktionieren ähnlich: Die Musik spielt nur solange, wie der Kunde zahlt. Danach zieht das DRM den Stecker aus der Box. Mit der digitalen Rechteverwaltung verliert der Kunde zunehmend die Kontrolle über seine Medien. Er darf nur noch tun, was ihm der Verlag zugesteht. Dagegen sind die ländercodierten DVDs geradezu Kinderkram. Sie senden keine Information über den User zum Verkäufer und sie lassen sich auf jedem codefreien Billig-Player problemlos anschauen.

Aktion gegen DRM

Die zunehmende Verbreitung des digitalen Kopierschutzes ruft schon seit längerer Zeit Kritiker auf den Plan. Sie haben nun eine Kampagne gegen die grassierende Einschränkung durch DRM gestartet. Mit Aktionen in Städten und Informationen auf drm.info wollen sie auf das Problem aufmerksam machen und die Konsumenten zur Gegenwehr anstiften.

Sie rufen zum Boykott von Technologien auf, die mit DRM operieren auf. Das dürfte hingegen sehr schwer werden. Denn vielfach weiss der Käufer nicht, ob und welche Art Kopierschutz auf einem Datenträger vorhanden ist. Das Bespiel der von Sony heimlich installierten Software auf Computern wurde nur durch Zufall entdeckt.

DRM beschränkt sich nicht auf CDs, DVDs und MP3. Die Nutzungsbeschränkung wird auch in Software, Handys, Klingeltönen und Hardware installiert.
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